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01.08.2019

Geschlechtsspezifische Unterschiede bei alkoholabhängigen Patienten zu Beginn stationärer Behandlung

Suchttherapie, 20 (02), 85-91. DOI: 10.1055/a0175-1136

Vollmer H.C., Domma J.

 

Zusammenfassung

Fragestellung: Inwiefern unterscheiden sich alkoholabhängige Frauen und Männer zu Beginn einer stationären Behandlung.

Methode: Naturalistische Feldstudie, in der retrospektiv mittels Chi2-Test, Mann-Whitney-U-Test, Kruskal-Wallis-Test und 3-faktorieller Varianzanalyse Unterschiede zwischen Patientenmerkmalen der Frauen (N=1040) und Männer (N=1570) analysiert wurden.

Ergebnisse: Die Männer waren häufiger ledig und arbeitslos, hatten eine bessere Schulbildung, waren im Interaktionsstil eher dominant und konkurrierend. Die Frauen hatten häufiger eine Posttraumatische Belastungs- und eine Essstörung, waren eher nachgiebig und fürsorglich und nur im höheren Alter häufiger depressiv als die Männer. Besonders jüngere Frauen tranken Alkohol bei unangenehmen Gefühlen und körperlichen Beschwerden. Die jüngeren Männer tranken eher Alkohol in Gesellschaft und bei angenehmen Gefühlen. Die motivationale Inkongruenz war bei den Frauen insgesamt stärker ausgeprägt. Das Leben zu genießen und Selbstvertrauen zu gewinnen waren für die Frauen wichtige motivierende Teilziele der Abstinenz.

Schlussfolgerungen: In ihrer Kombination erlauben die Ergebnisse die Interpretation, dass sich alkoholabhängige Frauen im Vergleich zu alkoholabhängigen Männern in einer schwierigeren sozio-ökonomischen Situation befinden, dass sie selbstunsicherer sind und wahrscheinlich eine höhere auf positive Ziele orientierte Therapiemotivation haben. Eine Beschränkung auf geschlechtsspezifische Unterschiede reicht für eine genderspezifische Forschung und Behandlung nicht aus. Lebensrelevante Merkmale wie Alter, Partner- und Arbeitssituation sollten bei der genderspezifischen Forschung und Therapieplanung berücksichtigt werden.